What if?  Oder: Fu*k the fear!

Ende der 90er bis 2009 habe ich sehr viel Zeit in den USA verbracht. Neulich habe ich mich wieder an eine Geschichte erinnert, die ich gerne mit Euch teilen möchte. Frei nach dem Motto: What if? Fu*k the fear!

 

In einer Talkshow von Oprah Winfrey wurde 1996 in einer ihrer Sendungen über das Thema BSE (Rinderwahnsinn) gesprochen. Zu Gast war der ehemalige Rinderzüchter Howard Lyman. Kürzen wir die Geschichte mal ab: Während der Sendung sagte Oprah sinngemäß, dass all das sie davon abhalten würde, jemals wieder einen Burger zu essen!

 

Wer Oprah Winfrey kennt, weiß, welchen Einfluss sie hat. Nach Ausstrahlung der Sendung fielen die Rinder-Futures deutlich, und einige texanische Rinderzüchter behaupteten, ihre Aussagen hätten ihnen Millionenverluste verursacht. Daraufhin wurden Oprah und Lyman auf rund 10–12 Millionen Dollar wegen Geschäftsschädigung verklagt. 1988 fand dann der Prozess statt, den Oprah vollständig gewann.

 

Ihr zur Seite stand „Dr. Phil“, der seinerzeit als Prozessberater arbeitete. Sein Unternehmen wurde engagiert, um Oprahs Anwaltsteam zu unterstützen. Er half bei der psychologischen Vorbereitung auf den Prozess und ihr persönlich dabei, ihre Angst vor möglichen Konsequenzen zu reduzieren, indem er sie zwang, die gefürchteten Szenarien vollständig zu Ende zu denken, statt sie diffus im Kopf wachsen zu lassen.

 

Zum Einsatz kam die What-If-Methode, in der man gedanklich alles runterbricht und mental durchspielt: „Wovor hast du Angst?“ „Okay, und wenn das passiert – was dann?“ „Und dann?“ „Und dann?“ Spielt man es gedanklich durch und setzt sich damit auseinander, entmachtet man die Angst, indem alles auf konkrete Konsequenzen heruntergebrochen wird.

 

Die Technik funktioniert nach dem Motto: „Definiere den Drachen genau. Dann merkst du oft, dass er kleiner ist als die Angst vor ihm.“ Ich liebs!

 

Es macht also Sinn, die eigenen Ängste gedanklich zu benennen und durchzuspielen. So kann man viele Krisen aushalten, weil Ängste einen Namen bekommen, konkret werden und dadurch handhabbar.

 

Wer kennts?

Eure

Britta

von Britta Ahrens 15. August 2026
Kannst Du „mal eben“ …? Die teuersten fünf Minuten der Welt!
von Britta Ahrens 7. August 2026
Fit im Schritt: Ein Thema, über das wir Frauen viel sprechen sollten!
von Britta Ahrens 7. August 2026
Zwischen Größe und Wirkung. Oder: Warum wir oft die Falschen für groß halten.
von Britta Ahrens 25. Juli 2026
Wer's glaubt, wird selig. Oder auch nicht.
von Britta Ahrens 18. Juli 2026
200 Blogbeiträge. Und kein bisschen leiser.
von Britta Ahrens 10. Juli 2026
Keinen Bock auf Blog!
von Britta Ahrens 27. Juni 2026
Gedöns, Tam-Tam und Peanuts – alles für den Algorithmus!
von Britta Ahrens 12. Juni 2026
Kollektiver Kollagen-Kollaps: Der verzweifelte Kampf gegen die biologische Frechheit des Alterns
von Britta Ahrens 6. Juni 2026
Warum heute alle authentisch sein wollen und dabei exakt gleich aussehen!
von Britta Ahrens 30. Mai 2026
Doppelmoral begegnet mir beinahe täglich: im Berufsleben, im Bekanntenkreis und vor allem hier auf Instagram. Wasser predigen, Wein trinken: Moral wird so hingebogen, wie sie uns gerade passt! Bequem ist sie zudem. Doppelmoral erlaubt uns, klare Kante zu zeigen, ohne selbst Konsequenzen zu tragen. Wir verurteilen laut, was wir im eigenen Leben stillschweigend relativieren. Moral tarnt sich als Haltung, ist aber oft nichts weiter als Selbstschutz. Im Alltag zeigt sich das deutlich. Wir empören uns über respektloses Verhalten im Netz, während wir selbst bissige Kommentare liken oder teilen. Wir verlangen Umweltbewusstsein, steigen aber für Kurzstrecken ins Auto, weil es einfacher ist. Wir pochen auf Fairness im Job, nutzen aber jede Grauzone zu unserem Vorteil. Ausländerfeindliche Parolen im Alltag, aber selbstverständlich Urlaub in Dubai. Veganismus laut vertreten, während Lederschuhe im Schrank stehen. Klimaschutz fordern, aber für den Wochenendtrip ins Flugzeug steigen. Gegen Konsumwahn wettern und gleichzeitig bei jeder Rabattaktion zuschlagen. Work-Life-Balance predigen und gleichzeitig von anderen ständige Erreichbarkeit erwarten. Die Liste scheint schier unendlich! Das Problem ist, dass wir es uns selten eingestehen. Doppelmoral beginnt dort, wo Selbstkritik endet. Wer sich nur als Teil der „richtigen Seite“ sieht, übersieht die eigenen blinden Flecken. Handle ich wirklich so, wie ich es von anderen verlange? Oder passt sich meine Moral einfach meiner Situation an? Ehrlichkeit sich selbst gegenüber ist anstrengend – aber die einzige Alternative zur bequemen Heuchelei. Auch ich hinterfrage mich oft genug: Sind Maßstäbe, die ich an andere anlege, strenger als die für mich selbst? Doppelmoral zeigt auf, wo wir eigene Ausnahmen für gerechtfertigt halten, die der anderen aber nicht. Ich gebe zu – ich übe weiterhin! Wie geht ihr mit diesem Thema um? Eure Britta