Karma!!! Echt jetzt?

Es gibt Wörter, die werden so inflationär benutzt, dass sie irgendwann die Bedeutung verlieren. „Toxisch“ gehört für mich dazu. „Narzisstisch“ auch. Und ziemlich weit oben auf der Liste: Karma! Karma?
Was viele nicht wissen (oder nicht wissen wollen): Karma ist weder ein Bumerang und noch viel weniger ein Racheengel! Die Freundin, die mir jahrelang auf die Nerven gegangen ist, bekommt Ärger mit ihrem Chef? Karma! Der Ex, der mich vor über 40 Jahren verlassen hat, wird seinerseits verlassen? Natürlich Karma! Und die Frau, die uns gerade noch die Parklücke vor der Nase weggeschnappt hat, bekommt einen Strafzettel? KARMA!
Man könnte beinahe meinen, irgendwo sitzt eine kosmische Verwaltungsangestellte und führt Buch. Dabei bedeutet Karma in manchen Religionen „einfach nur Handlungen und ihre Folgen“. Und eben nicht: „Jetzt kriegst du's zurück!“
Wenn mich jemand gefühlt schlecht behandelt, muss nicht irgendwann ein kosmischer Lieferdienst vor seiner Tür stehen und mir persönlich eine Retourkutsche überreichen. Es kann schon sein, dass man eine weniger angenehme Behandlung zurückbekommt, wenn man sie selbst jahrelang verteilt hat. Aber nicht, weil das Universum eine Strichliste führt. Sondern weil Verhalten Konsequenzen hat. Und genau da wird aus dem inflationären „Karma!“ plötzlich etwas ziemlich Vernünftiges, wie ich finde.
Nicht jede schlechte Nachricht ist eine kosmische Abrechnung und nicht jede Niederlage ist die Quittung für schlechtes Benehmen. Und manchmal ist ein Strafzettel einfach ein Strafzettel! Es reicht doch, wenn wir selbst darauf achten, was wir in die Welt hinausschicken, oder?
Eure
Britta











