Zwischen Größe und Wirkung. Oder: Warum wir oft die Falschen für groß halten.

Als dieses Foto entstand, hatten meine Bonustochter und ich viel Spaß. Wie man unschwer erkennen kann sitze ich auf einem riesigen Stuhl und wirke plötzlich ganz klein. Zumindest auf den ersten Blick. Aber bin ich das wirklich oder sieht es nur so aus?

 

So oft lassen wir uns im Leben von genau solchen Eindrücken täuschen. Wir begegnen Menschen, die laut auftreten, viel reden oder beeindruckende Titel tragen. Sie wirken groß, erfolgreich und wichtig. Und dann gibt es die Stilleren, die nicht ständig im Mittelpunkt stehen, nicht jede Bühne suchen und nicht jedes Gespräch dominieren. Schnell entsteht der Eindruck, sie seien weniger bedeutend.

 

Doch Größe und Wirkung sind zwei völlig verschiedene Dinge. Ich erinnere mich an Menschen, die einen Raum betraten und sofort war eine besondere Präsenz spürbar. Nicht, weil sie sich in den Vordergrund drängten, sondern weil sie in sich ruhten. Ich erinnere mich aber auch an gegenteilige Menschen, die sehr laut waren und viel Aufmerksamkeit auf sich zogen. Kaum waren sie gegangen, blieb… nichts.

 

Wirkung entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Echtheit, Klarheit und Haltung. Solche Menschen erinnern mich daran, dass wahre Größe selten etwas mit Zentimetern, Status oder Sichtbarkeit zu tun hat. Im Alltag vergessen wir das manchmal. Wirkung misst sich nicht an Reichweite oder Applaus. Sie zeigt sich in dem, was sie bei anderen hinterlassen.

 

Vielleicht lohnt es sich deshalb, öfter hinter die Kulissen zu schauen. Nicht alles, was groß aussieht, ist wirklich bedeutend. Und nicht alles, was klein erscheint, ist unbedeutend. Dieses Foto erinnert mich daran. Wir sollten weniger Zeit damit verbringen, größer wirken zu wollen. Es wäre deutlich wertvoller, einfach nur echt zu sein. Menschen erinnern sich selten daran, wie groß jemand aufgetreten ist. Sie erinnern sich daran, wie er sie hat fühlen lassen.

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Doppelmoral begegnet mir beinahe täglich: im Berufsleben, im Bekanntenkreis und vor allem hier auf Instagram. Wasser predigen, Wein trinken: Moral wird so hingebogen, wie sie uns gerade passt! Bequem ist sie zudem. Doppelmoral erlaubt uns, klare Kante zu zeigen, ohne selbst Konsequenzen zu tragen. Wir verurteilen laut, was wir im eigenen Leben stillschweigend relativieren. Moral tarnt sich als Haltung, ist aber oft nichts weiter als Selbstschutz. Im Alltag zeigt sich das deutlich. Wir empören uns über respektloses Verhalten im Netz, während wir selbst bissige Kommentare liken oder teilen. Wir verlangen Umweltbewusstsein, steigen aber für Kurzstrecken ins Auto, weil es einfacher ist. Wir pochen auf Fairness im Job, nutzen aber jede Grauzone zu unserem Vorteil. Ausländerfeindliche Parolen im Alltag, aber selbstverständlich Urlaub in Dubai. Veganismus laut vertreten, während Lederschuhe im Schrank stehen. Klimaschutz fordern, aber für den Wochenendtrip ins Flugzeug steigen. Gegen Konsumwahn wettern und gleichzeitig bei jeder Rabattaktion zuschlagen. Work-Life-Balance predigen und gleichzeitig von anderen ständige Erreichbarkeit erwarten. Die Liste scheint schier unendlich! Das Problem ist, dass wir es uns selten eingestehen. Doppelmoral beginnt dort, wo Selbstkritik endet. Wer sich nur als Teil der „richtigen Seite“ sieht, übersieht die eigenen blinden Flecken. Handle ich wirklich so, wie ich es von anderen verlange? Oder passt sich meine Moral einfach meiner Situation an? Ehrlichkeit sich selbst gegenüber ist anstrengend – aber die einzige Alternative zur bequemen Heuchelei. Auch ich hinterfrage mich oft genug: Sind Maßstäbe, die ich an andere anlege, strenger als die für mich selbst? Doppelmoral zeigt auf, wo wir eigene Ausnahmen für gerechtfertigt halten, die der anderen aber nicht. Ich gebe zu – ich übe weiterhin! Wie geht ihr mit diesem Thema um? Eure Britta
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Ich weiß, ich weiß. Jetzt wäre der Moment für einen Text über Dankbarkeit, Lebensfreude und darüber, wie schön es ist, älter zu werden. Mit Kuchen, Kerzen und vielleicht einem leicht gerührten Blick zurück. Spoiler: Wird es nicht. Denn wenn ich ehrlich bin, ist mein Geburtstag für mich eher so mittelspannend. Denn jedes Jahr passiert zuverlässig das Gleiche: mein Handy führt ein Eigenleben. Es klingelt, summt, blinkt – als hätte es den Auftrag, mich daran zu erinnern, dass ich existiere. Was nett ist. Wirklich. Aber auch ein bisschen… konzentriert. Menschen melden sich, von denen ich ziemlich genau seit dem letzten Geburtstag nichts mehr gehört habe. Als gäbe es irgendwo einen geheimen „Einmal-im-Jahr-Kontakt“-Kalender. Und dann beginnen sie, diese Gespräche ohne Spannungsbogen: „Na, alles gut?“, „Was machst du heute noch?“, „Feierst du schön?“ Und ich erzähle. Immer wieder das Gleiche. Freundlich, natürlich. Aber innerlich denke ich mir: Wir könnten das Gespräch auch einfach speichern und nächstes Jahr wieder abspielen. Es ist ja lieb gemeint. Und ich weiß das auch zu schätzen. Aber gleichzeitig zeigt dieser Tag etwas, das ich irgendwie schräg finde: Aufmerksamkeit, die sich wie ein Stau verhält. Einmal im Jahr alles auf einmal. Dabei sind mir die anderen Tage so viel lieber. Die 364 Tage, an denen jemand einfach schreibt: „Musste gerade an dich denken.“. Spontane Anrufe ohne Anlass. Kleine Nachrichten, die nicht vom Kalender diktiert sind. Das sind die mir wirklich wichtigen Momente. Mein Geburtstag dagegen? Der darf ruhig unspektakulär sein. Kein großes Tamtam, kein Pflichtprogramm, kein „Das muss jetzt aber besonders sein“. Ein ganz normaler Tag, an dem man sich mit wenigen Lieblingsmenschen umgibt und einfach nett essen geht. In diesem Sinne: Ich habe heute Geburtstag. Trotzdem ist es einfach nur ein ganz normaler Sonntag. Wer kennts? Eure Britta