Komplimente? Kommt drauf an!

Ich mag Komplimente. Also. Die richtigen. Es gibt zum Beispiel ein Wort, bei dem ich seit meiner Kindheit zuverlässig die Flucht ergreife: Niedlich. Die Schuld trägt meine Mutter. Wenn sie früher begeistert sagte: „Ach, Du siehst ja niedlich aus!“, habe ich mich postwendend umgezogen. Sie meinte es als Kompliment. Ich verstand: Alarmstufe Rot. Bis heute übrigens.
Niedlich sind kleine Hunde. Babys. Vielleicht noch ein Marienkäfer. Aber ich? Nein, danke. Und damit wären wir auch schon beim Thema Komplimente.
Denn nicht alles, was nett gemeint ist, kommt auch nett an. Ein „Du bist aber niedlich“ kann bei der einen für Schnappatmung sorgen und bei mir dafür, dass ich gedanklich schon vor dem Kleiderschrank stehe, um ein anderes Outfit durchzuspielen. Ich freue mich durchaus, wenn jemand meine Hose cool findet. Oder sagt: „Das Outfit passt total zu Dir.“ Denn dann hat offenbar jemand verstanden, dass in all der Klamotte auch ein Stück weit Persönlichkeit drinsteckt.
Die Komplimente, die bei mir wirklich hängen bleiben, haben nichts mit meinem Äußeren zu tun. Es sei denn, sie kommen von Frauen. Die nehme ich immer gerne an, halte ich mich selbst auch so gar nicht damit zurück, wenn es darum geht, andere Frauen hochleben zu lassen – für ihre Art, für ihr Outfit, für ihr Sein. Wenn jemand also meinen Look mit mir in Verbindung bringt, berührt mich das mehr als jedes „Du siehst toll aus“. Wobei ich Letzteres natürlich trotzdem nehme. Ich bin ja nicht bescheuert. 😂
Komplimente sollte man aber nicht verwechseln mit einer amtlichen Charakterbewertung. Man darf sich freuen. Man darf sich geschmeichelt fühlen. Man sollte ihnen nur nicht erliegen. Denn am Ende ist ein Kompliment immer der Blick eines anderen auf uns und ausschließlich aufs Äußere bezogen. Manchmal trifft er ins Schwarze, manchmal eben nicht. Und manchmal sagt Mama: „Du siehst aber niedlich aus.“ Dann hilft nur eins. Umziehen!
Und wie denkt ihr über Komplimente?
Eure Britta












