Wer's glaubt, wird selig. Oder auch nicht.

Wer's glaubt, wird selig. Oder auch nicht.
Wer’s glaub, wird selig! Diese Redewendung hat tatsächlich einen biblischen Ursprung. Dort heißt es: "Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden." Fast schon ein Bedrohungsszenario!
Heute wird der Spruch "Wer's glaubt, wird selig" meist ironisch verwendet und hat den religiösen Ursprung beinahe ganz abgelegt.
Ich persönlich finde den Satz faszinierend. Bekanntlich leben wir ja in einer Zeit, in der Glauben Hochkonjunktur hat – nur nicht unbedingt an Gott. Man glaubt an Wunderdiäten. An Kryptowährungen. An Coaches, die in drei Wochen Millionäre aus Menschen machen, deren größte Investition bisher eine Heißluftfritteuse war. Man glaubt Influencern und Politikern, dass diesmal wirklich alles besser wird.
Glauben ist offenbar nicht das Problem. Nur wem?
Das Ironische ist: Je absurder eine Behauptung klingt, desto überzeugter wird sie oft vorgetragen. Und wehe, man fragt nach!
Wer's glaubt, wird selig. Wer nachfragt, wird anstrengend. Wer kritisch denkt, bekommt garantiert Gegenwind. Das eigentliche Problem ist gar nicht das Glauben. Es ist die Bequemlichkeit. Glauben spart Denken. Zweifeln kostet Energie.
Vielleicht erklärt das auch, warum sich Gerüchte schneller verbreiten als Tatsachen. Fakten müssen überprüft werden. Unsinn dagegen zieht einfach Turnschuhe an und rennt los. Am Ende bleibt für mich deshalb nur eine leicht veränderte Version der Redewendung: Wer's glaubt, wird vielleicht selig. Wer denkt, hat zumindest eine Chance, nicht jeden Unsinn für die Wahrheit zu halten. Oder auch nicht.
Und Ihr so?
Eure
Britta











